• Kulturgut Hall
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Stadtpfarrkirche St. Nikolaus

Hall war – bedingt durch den Salzabbau im Halltal – im 13. und 14. Jahrhundert eine explodierende Industrieansiedlung. Das bewirkte den Wohlstand des 1303 zur Stadt erhobenen Hall, der die Bürger zum Bau eines großen und repräsentativen Gotteshauses veranlasste.
Das Nikolauspatrozinium erinnert an die Bedeutung der Innschifffahrt, die bis zum Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert für die Stadt Hall ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war. In Hall mündete die alte Römerstraße, die von Verona her nach Norden führte.

- Erster Kirchenbau geweiht 1281
- Spätere Erweiterungsbauten
- Kirchturm nach Erdbeben von 1670 im barocken Stil neu aufgerichtet (1676)
- Deckenfresken von Josef Adam Molkerei 1751/52
- Frühbarocker (ehemals) Hochaltar

Lage

Blick von Süden Richtung Nordkette

Die Pfarrkirche zum St. Nikolaus (v. Myra) befindet sich am Oberen Stadtplatz.

Mächtig erhebt sie sich auf einer Geländekante, die nach Süden Richtung Inn steil abfällt.

Architektur

Südfassade

Auf einen ersten, 1281 geweihten Kirchenbau folgte die Errichtung des frühgotischen Chores 1312 – 1318 und eines (einschiffigen) Langhauses, das 1352 vollendet wurde. Doch bald war die Kirche wiederum zu klein und es erfolgte Ausbau des Langhauses nach Norden und Westen zu einer dreischiffigen Halle mit Adaptierung des Chores. Diese Grundstruktur ist bis heute erhalten geblieben.
Der Kirchturm fiel dem schweren Erdbeben von 1670 zum Opfer und wurde danach im barocken Stil neu aufgerichtet (1676).

Innenraum

Innenansicht
Blick von der Empore

Beim Eintritt durch das Westportal präsentiert sich der Kirchenraum als heller, festlicher Raum mit reicher Ausstattung aus allen Epochen seiner Geschichte. Die gotische Struktur ist klar erkennbar, ebenso die barocke Ausstattung aus 1751/52.
Durch die Geländekante im Süden und die deshalb nur nach Norden und Westen mögliche Erweiterung des 15. Jahrhunderts macht der Chor einen abgeknickten Eindruck, was für die liturgischen Orte durchaus interessante Perspektiven ermöglicht.
Im Chorabschluss erhebt sich der in elegantem schwarz-gold gehaltene frühbarocke (ehemalige) Hochaltar. Das Altargemälde vom Jan Erasmus Quellinus zeigt die Mutter Gottes mit dem Kind, darunter den Kirchenpatron St. Nikolaus, den Hl. Kassian als Patron des Mutterbistums Brixen sowie die heiligen Diakone Stephanus und Laurentius.
Die Deckenfresken stammen von Josef Adam Mölk (1751/52), die Mittelachse im Hauptschiff zeigt Szenen aus dem reichen Legendenkranz rund um den heiligen Bischof Nikolaus.

Altarraum

Altarraum
Liturgische Orte
Taufstein
Hl. Nikolaus
Fieger Epitaph
Jüngstes Gericht
Palmeselchristus
Orgel

Im Zuge der umfassenden Innenrenovierung der Kirche 2015 – 2017 wurde auch der Altarraum entsprechend heutigem Liturgieverständnis neu gestaltet und die wichtigsten liturgischen Orte neu errichtet. Um in einem so reich gestalteten Kirchenraum mit dem neuen Hauptaltar wirklich ein eindeutiges Zentrum der Aufmerksamkeit und der Feierkultur zu schaffen, wurde eine sehr klare, strenge und einfache Form gewählt. Sowohl die „Bodeninsel“ und der Hauptaltar, wie auch der Ambo zur Verkündigung des Wortes Gottes und der Vorstehersitz sind aus Kehlheimer Muschelkalk gefertigt. In den Hauptaltar wurden Reliquien des südtiroler Märtyrers Josef Mayr-Nusser eingefügt, der an den Folgen der Verfolgung und der Haft durch die Nazis am 24. Februar 1945 verstorben ist und am 18. März 2017 in Bozen seliggesprochen wurde.

Taufstein

Im Zuge der Neugestaltung wurde sowohl das marmorne große Weihwasserbecken (1506) als auch der Taufstein in eine Achse mit dem neuen Hauptaltar gesetzt: Taufe und Taufgedächtnis als Eintritt in die Kirche und Hinführung zur heiligen Eucharistie. Der Taufstein stammt aus dem 14. Jahrhundert, der hölzerne Deckel um 1600 zeigt die zwölf Apostel als Garanten für den überlieferten Glauben der Kirche.

 

Hl. Nikolaus

Unter den zahlreichen Darstellungen des Kirchen- und Pfarrpatrons St. Nikolaus ragt die barocke Figur mit Brustreliquiar hervor, die nunmehr links im Presbyterium aufgestellt ist.

 

Fieger – Epitaph

Das mächtige Renaissance-Epitaph für die Familie Fieger vonMelchior Ritterl (1574) hängt in der Nische der Chornordwand. Es ist ein prachtvolles, vielgliedriges Kunstwerk; im Zentrum steht das Jüngste Gericht.
Die monumentale Komposition bringt die gesamte Heilsgeschichte in den Blick: ganz oben steht Gottvater mit den Stammeltern Adam und Eva, darunter eine Darstellung der Arche Noah: der Bund Gottes mit dem Menschengeschlecht und zugleich Erinnerung an die Taufe als Eingangstor zur Erlösung.
Links und rechts des Hauptbildes die Himmelfahrt Jesu und das Pfingstereignis als Vollendung des Erlösungswerkes, ganz unten die Stifterfamilie im Gebet.

Die eindrucksvolle Darstellung zeigt Christus als den Weltenrichter, den Fuß auf die Erdkugel gesetzt, umgeben von Engeln und Heiligen. Im unteren Bildteil sieht man die Geretteten und die Verdammten durch den Urteilsspruch getrennt. In der Mitte sind in sieben runden Miniaturen die Werke der Barmherzigkeit (nach Mt. 25) dargestellt als Werkzeuge, das ewige Leben zu gewinnen.

 

Palmesel - Christus

Eine besondere Kostbarkeit der Haller Pfarrkirche ist der holzgeschnitzte Palmesel mit sitzendem Christus aus ca. 1430. Nur wenige Darstellungen in dieser Qualität sind erhalten. Eindrucksvoll ist der Gesichtsausdruck Christi: ungeachtet der Jubelrufe geht er in ernstem, klarem Bewusstsein den Weg in seine Passion. Bis heute wird diese Figur am Palmsonntag bei der Prozession mitgeführt.

 

Orgel

Die Orgel, eine der größten in Tirol (50 Register auf 3 Manualen und Pedal) stammt aus der Werkstatt Pirchner in Stainach und wurde 1999 in das renovierte Gehäuse von 1689 eingebaut.

Heilige Kapelle (Waldaufkapelle)

Waldaufkapelle
Reliquienschrank
Madonna

Im östlichen Abschluss des linken Seitenschiffs findet sich die „Heilige Kapelle“, auch „Waldauf-Kapelle“ genannt, nach Ritter Florian Waldauf, der diese Kapelle gestiftet hat (1505 geweiht). Er stiftete zum Dank für Rettung aus Seenot mit Kaiser Maximilian nicht nur die Kapelle „Mariä Himmelfahrt“, sondern auch ein Predigtamt und einen bedeutenden Reliquenschatz („Heilthum“), dessen Reste heute noch erhalten sind, einiges davon findet sich an der linken Seitenwand der Kapelle.
Im Zentrum – auch der Verehrung – befindet sich eine Marienstatue aus der Schule Michael Pachers, die vom gotischen Vorgängeraltar übernommen wurde. Die heutige barocke Ausgestaltung stammt von Christoph Wörndle (1753). Heute dient die Kapelle auch der Aufbewahrung der hl. Eucharistie im Tabernakel.

Dr. Michael Wilhelm

Öffnungszeiten

Täglich von 9 bis 18:30 Uhr